Anlässe & Beschwerdebilder

Anlässe für Psychotherapie: Depression, Angst, Trauma, Burn-out und mehr

Psychotherapie hilft bei vielen psychischen Beschwerden, von Depressionen und Angststörungen über Traumafolgen, Zwänge und Schlafstörungen bis zu Trauer, Beziehungskrisen, ADHS im Erwachsenenalter und Essstörungen. Für die meisten dieser Beschwerdebilder empfehlen Leitlinien Psychotherapie als zentralen Baustein, bei schweren Verläufen oft in Kombination mit Medikamenten.

Leitlinien

empfehlen Psychotherapie

Abklärung

im Erstgespräch

Rat auf Draht 147

für Kinder und Jugendliche

Psychotherapeutin in ihrer Praxis

Welche Behandlung passt, hängt von Art und Schwere der Beschwerden ab und wird im Erstgespräch sowie gegebenenfalls ärztlich geklärt. Burn-out gilt laut WHO nicht als Krankheit, sondern als arbeitsbezogenes Phänomen; eine Abklärung ist trotzdem sinnvoll. Diese Seite gibt einen Überblick über typische Anzeichen, gängige Behandlungsansätze und Anlaufstellen in Österreich. Sie ersetzt keine Diagnose.

Akute Krise?

Telefonseelsorge 142 (rund um die Uhr), Rettung 144, Rat auf Draht 147 für Kinder und Jugendliche. Weitere Stellen: Hilfe im Notfall.

Überblick

Bei welchen Beschwerden hilft Psychotherapie?

Das Psychotherapiegesetz nennt die Behandlung von Störungen mit Krankheitswert als zentrale Aufgabe, ausdrücklich auch psychosomatisch bedingte Leidenszustände. Für viele Beschwerdebilder gibt es gut untersuchte Verfahren. Welche Methoden es in Österreich gibt, erklärt Methoden & Verfahren, den Weg zum Platz Therapieplatz & Ablauf.

Depression

Welche Therapie hilft bei Depression?

Die Therapie bei Depression richtet sich nach dem Schweregrad. Laut deutscher Nationaler Versorgungsleitlinie (NVL) stehen bei leichter Depression Beratung und Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund, bei mittelschwerer Psychotherapie oder Antidepressiva und bei schwerer die Kombination beider. Nachweislich wirksam sind laut Gesundheitsministerium unter anderem kognitive Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie, psychodynamische Kurztherapien und die Systemische Familientherapie. Typische Anzeichen einer Depression sind:

  • gedrückte Stimmung über mindestens zwei Wochen, weitgehend unabhängig von äußeren Ereignissen
  • Verlust von Interesse und Freude an Dingen, die früher wichtig waren
  • Antriebsmangel und rasche Erschöpfung
  • begleitend oft Schlaf- und Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle oder Selbstzweifel
  • Gedanken an den Tod oder Suizid: Dann ist sofort Hilfe nötig, etwa bei der Telefonseelsorge unter 142

Für eine Diagnose müssen mehrere dieser Anzeichen über mindestens zwei Wochen bestehen; die Einschätzung treffen Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen.

Person meditiert in einem Garten

Angst und Trauma

Angststörungen, Panik und Traumafolgen

Was hilft bei Angststörungen und Panikattacken?

Für die Therapie einer Angststörung empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie an erster Stelle die kognitive Verhaltenstherapie; bei hohem Leidensdruck kann sie mit Medikamenten kombiniert werden. Kernelement bei Panikstörungen ist die schrittweise Konfrontation mit gefürchteten Situationen und Körperempfindungen. Psychodynamische Therapie kommt laut Leitlinie in Frage, wenn Verhaltenstherapie nicht wirkt, nicht verfügbar ist oder nicht gewünscht wird. Zur akuten Hilfe bei Panikattacken gehört das Wissen, dass sich eine Attacke meist über einige Minuten steigert und dann wieder abklingt. Erstmalige oder unklare Beschwerden wie Brustschmerz oder Atemnot sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Trauma und PTBS: Behandlung und EMDR bei Trauma

Nach belastenden Ereignissen sind starke Reaktionen zunächst normal. Halten Wiedererleben, Vermeidung und ständige Anspannung an, kann eine Posttraumatische Belastungsstörung vorliegen. Für die PTBS-Behandlung empfiehlt die WHO traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und EMDR bei Trauma, jeweils für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Traumatherapie ist in Österreich keine eigene Methode, sondern ein Schwerpunkt, den Psychotherapeut:innen verschiedener Richtungen durch Weiterbildung erwerben; EMDR ist eine Zusatzqualifikation. In der ersten Zeit nach einem Ereignis helfen auch Kriseneinrichtungen, etwa das Kriseninterventionszentrum in Wien.

Burnout

Wann braucht es eine Burnout-Therapie?

Burnout ist laut WHO keine eigene Krankheit, sondern ein arbeitsbezogenes Phänomen infolge von chronischem, nicht bewältigtem Stress am Arbeitsplatz. Die ICD-11 beschreibt drei Burnout-Anzeichen:

  • Erschöpfung und Energieverlust
  • wachsende innere Distanz zur Arbeit, Zynismus oder negative Gefühle ihr gegenüber
  • verringerte berufliche Leistungsfähigkeit

Ähnliche Beschwerden treten auch bei Depressionen oder Angststörungen auf, deshalb ist eine ärztliche und psychotherapeutische Abklärung sinnvoll. Liegt eine behandlungsbedürftige Störung vor, setzt die Psychotherapie an Erschöpfung, Grübeln und Überforderung an und bezieht die Arbeitssituation mit ein. Reine Beratung ohne Krankheitswert zahlt die Kasse nicht.

Herzform aus Händen als Symbol für Fürsorge

Mehr Beschwerdebilder

Weitere häufige Anlässe

Therapie einer Zwangsstörung

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition als Psychotherapie der ersten Wahl: Betroffene stellen sich begleitet den auslösenden Situationen, ohne die Zwangshandlung auszuführen. Medikamente können ergänzen, etwa bei einer gleichzeitigen Depression. Einer klinischen Übersicht zufolge sprechen rund zwei Drittel der Behandelten deutlich auf diese Therapie an.

Hilft Psychotherapie bei Schlafstörungen?

Ja. Die Europäische Insomnie-Leitlinie 2023 empfiehlt bei chronischen Schlafstörungen die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als erste Behandlung für Erwachsene jeden Alters, persönlich oder digital. Sie setzt an Schlafgewohnheiten und belastenden Gedanken rund um den Schlaf an; Schlafmittel sind laut Leitlinie vor allem für kurze Zeit vorgesehen. Besteht der Verdacht auf andere Schlafstörungen, etwa Atemaussetzer, gehört eine ärztliche Abklärung dazu.

Trauertherapie oder Trauerbegleitung: was passt wann?

Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust. Trauerbegleitung, etwa durch Hospizdienste, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen, unterstützt in dieser Zeit. Eine Trauertherapie kommt infrage, wenn die Trauer unvermindert anhält und den Alltag stark einschränkt: Die ICD-11 kennt dafür die „anhaltende Trauerstörung“, die frühestens sechs Monate nach dem Verlust festgestellt werden kann.

Paartherapie und Familientherapie

Bei Beziehungs- und Familienkrisen arbeiten Paartherapie und Familientherapie mit mehreren Personen zugleich und betrachten Konflikte als Teil gemeinsamer Muster, wie es besonders systemische Ansätze tun. Die Krankenkasse zahlt Paartherapie in der Regel nicht, weil Beratung bei Partnerschafts- oder Familienproblemen keine Kassenleistung ist; mehr dazu unter Kosten & Krankenkasse.

Weitere Schwerpunkte

ADHS und Essstörungen

Wie sieht eine ADHS-Therapie bei Erwachsenen aus?

ADHS beginnt in der Kindheit, die Symptome bestehen aber bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter fort. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt eine multimodale Behandlung: Am Anfang steht Psychoedukation, also die Aufklärung über ADHS; dazu kommen kognitive Verhaltenstherapie und, vor allem bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung, Medikamente. Psychotherapie setzt oft an Alltagsproblemen und begleitenden Schwierigkeiten an. Eine sorgfältige Diagnostik ist wichtig, weil ADHS bei Erwachsenen häufig gemeinsam mit Depressionen, Angst- oder Suchterkrankungen auftritt.

Wo gibt es Hilfe bei Essstörungen?

Essstörungen sind ernsthafte Erkrankungen, die seelisch und körperlich belasten. Erste Anlaufstellen sind die Hausärztin oder der Hausarzt, spezialisierte Beratungsstellen und die kostenlose, anonyme Essstörungs-Hotline unter 0800 20 11 20 (Montag bis Donnerstag, 12 bis 17 Uhr), die auch Angehörige berät. In der Behandlung arbeiten Psychotherapie und ärztliche Betreuung häufig zusammen, damit auch körperliche Folgen im Blick bleiben. Der erste Anruf ist ein wichtiger Schritt, auch wenn noch Zweifel bestehen.

Häufige Fragen zu Beschwerden und Therapie

Nein. Die Diagnose stellen Psychotherapeut:innen im Rahmen der Behandlung; für Kassenleistungen braucht es zusätzlich eine ärztliche Untersuchung.

Bei leichteren Beschwerden ist Psychotherapie oft allein ausreichend, bei schweren Depressionen empfehlen Leitlinien die Kombination. Über Medikamente entscheiden Ärzt:innen.

Das Gesetz nennt ausdrücklich psychosomatisch bedingte Leidenszustände. Vorher sollte ärztlich abgeklärt sein, dass keine organische Ursache vorliegt.

Das ist häufig, etwa bei Angst und Depression. Die Behandlung wird dann gemeinsam geplant und berücksichtigt beide Beschwerden.

Viele Beratungsstellen und Hotlines beraten ausdrücklich auch Angehörige, etwa die Essstörungs-Hotline; Rat auf Draht (147) ist für Kinder, Jugendliche und ihre Bezugspersonen da.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.

Quellen

  1. Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024), § 6, RIS: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20012578
  2. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Patienteninformation Behandlungsempfehlungen (2022): https://leitlinien.de/medien/depression/pdf/16-depression-behandlungsempfehlungen.pdf
  3. Parlamentarische Anfragebeantwortung 12864/AB (XXIV. GP) des Gesundheitsministeriums zur Behandlung von Depressionen: https://www.parlament.gv.at/dokument/XXIV/AB/12864/fname_284597.pdf
  4. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2 (2021), Kurzversion: https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028k_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf
  5. World Health Organization (2013): Guidelines for the management of conditions specifically related to stress: https://www.who.int/publications/i/item/9789241505406
  6. WHO: Burn-out an „occupational phenomenon“ – International Classification of Diseases (2019): https://www.who.int/news-room/detail/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases
  7. S3-Leitlinie Zwangsstörungen, Kurzversion (2022): https://register.awmf.org/assets/guideline_bkp/038_017k_S3_Zwangsst%c3%b6rungen_2022-07.pdf
  8. Riemann D et al. (2023): The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. Journal of Sleep Research 32(6): e14035. https://doi.org/10.1111/jsr.14035
  9. Deutscher Hospiz- und PalliativVerband: Stellungnahme zur Kategorie 6B42 „Anhaltende Trauerstörung“ der ICD-11 (2018): https://www.dhpv.de/files/public/stellungnahmen/20181212_StellungnahmeTrauerICD11.pdf
  10. S3-Leitlinie ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Kurzversion (2018): https://register.awmf.org/assets/guidelines/028-045k_S3_ADHS_2018-06.pdf
  11. Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter, PSYCH up2date (Thieme, 2020): https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-0995-8420
  12. ÖGK: Psychotherapie – Voraussetzungen (keine Kostenübernahme für Beratung bei Familienproblemen): https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.870222&portal=oegkportal
  13. gesundheit.gv.at: Hotlines bei gesundheitlichen Problemen und Krisen (u. a. Essstörungs-Hotline, Rat auf Draht): https://www.gesundheit.gv.at/service/notruf/hotline.html
  14. gesundheit.gv.at: Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr (u. a. Kriseninterventionszentrum Wien): https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/anlaufstellen/notrufnummern.html
  15. Therapie von Zwangsstörungen im Erwachsenenalter, Fachartikel, Rosenfluh Publikationen (2016): https://www.rosenfluh.ch/media/2016/06/Therapie-von-Zwangsstoerungen-im-Erwachsenenalter.pdf
  16. EMDR Institut Austria: Häufig gestellte Fragen (EMDR als Zusatzqualifikation): https://www.emdr-institut.at/haufig-gestellte-fragen

Zuletzt geprüft am 27.09.2026