Methoden & Verfahren

Methoden der Psychotherapie: die psychotherapeutischen Verfahren in Österreich im Überblick

In Österreich sind 23 Methoden der Psychotherapie staatlich anerkannt. Das Psychotherapiegesetz 2024 ordnet sie vier Clustern zu: Humanistische Therapie, Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie, Systemische Therapie und Verhaltenstherapie.

23 Methoden

staatlich anerkannt

4 Cluster

laut PThG 2024

Beziehung zählt

für den Therapieerfolg

Psychotherapeutin in ihrer Praxis

Die Cluster unterscheiden sich vor allem im Menschenbild und in der Arbeitsweise: Verhaltenstherapeutische Verfahren arbeiten konkret an Denk- und Verhaltensmustern, psychodynamische Verfahren suchen nach unbewussten Konflikten und lebensgeschichtlichen Wurzeln, humanistische Verfahren stellen Erleben, Beziehung und Sinn in den Mittelpunkt, systemische Ansätze betrachten Probleme im Zusammenhang mit Familie und Umfeld. EMDR ist in Österreich keine eigene Methode, sondern eine Zusatzqualifikation. Für den Erfolg zählt neben der Methode vor allem die Qualität der therapeutischen Beziehung. Diese Seite stellt die wichtigsten Richtungen der Psychotherapie vor, von der Psychoanalyse bis zur Existenzanalyse, und gibt Orientierung, welche Methode zu welchem Anliegen passen kann.

Überblick

Welche Methoden der Psychotherapie gibt es in Österreich?

In Österreich gibt es 23 anerkannte Methoden, die vier Clustern zugeordnet sind. Die Cluster sind im PThG 2024 ausdrücklich genannt.

Eigenes Menschenbild

Laut Gesundheitsministerium liegt jedem Cluster ein eigenes Menschenbild zugrunde; die Zuordnung ist akzentuierend gemeint, Überschneidungen sind möglich.

Mehr zum Einstieg

Grundlagen zu Ablauf und Wirksamkeit bietet Psychotherapie verstehen.

Die vier Cluster und ihre anerkannten Methoden

ClusterSchwerpunktAnerkannte Methoden
Humanistische Therapie (8)Erleben, Beziehung, Sinn, SelbstverantwortungExistenzanalyse; Existenzanalyse und Logotherapie; Gestalttheoretische Psychotherapie; Integrative Gestalttherapie; Integrative Therapie; Klientenzentrierte Psychotherapie; Personzentrierte Psychotherapie; Psychodrama
Psychoanalytisch-Psychodynamische Therapie (12)Unbewusstes, Übertragung, LebensgeschichteAnalytische Psychologie; Autogene Psychotherapie; Daseinsanalyse; Dynamische Gruppenpsychotherapie; Gruppenpsychoanalyse/Psychoanalytische Psychotherapie; Hypnosepsychotherapie; Individualpsychologie; Katathym Imaginative Psychotherapie; Konzentrative Bewegungstherapie; Psychoanalyse/Psychoanalytische Psychotherapie; Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie; Transaktionsanalytische Psychotherapie
Systemische Therapie (2)Beziehungen, Systeme, LösungenNeuro-Linguistische Psychotherapie; Systemische Familientherapie
Verhaltenstherapie (1)Lernen, Denken, VerhaltenVerhaltenstherapie

Unsicher, welche Methode passt?

Ob eine Methode zu Ihrem Anliegen passt, lässt sich am besten im Erstgespräch klären.

Lernen, Denken, Verhalten

Verhaltenstherapie: Was ist das?

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass viele psychische Probleme erlernt sind und sich durch gezieltes Umlernen wieder verändern lassen. Sie entstand in den 1940er-Jahren aus der Lerntheorie; seit der „kognitiven Wende“ der 1960er-Jahre rücken auch Gedanken, Gefühle und Selbststeuerung in den Fokus. Typisch sind:

  • Klare Ziele: Am Beginn stehen eine genaue Problemanalyse und gemeinsam vereinbarte Ziele.
  • Aktive Mitarbeit: Die Therapie setzt auf Eigenverantwortung und stärkt die Fähigkeit zur Selbsthilfe.
  • Konkrete Techniken: etwa die schrittweise Konfrontation mit angstauslösenden Situationen, das Hinterfragen belastender Gedanken oder das Einüben neuer Verhaltensweisen, teils direkt im Alltag.
  • Überschaubare Dauer: häufig 20 bis 50 Stunden, bei schweren Problemen auch länger.
Person auf einem Waldweg als Symbol für den Therapieweg

Unbewusstes, Übertragung, Lebensgeschichte

Wie arbeiten psychoanalytisch-psychodynamische Verfahren?

Sie gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte und frühe Erfahrungen das heutige Erleben prägen, und nutzen die therapeutische Beziehung, um diese Muster zu verstehen. Mit zwölf Methoden ist dies der größte Cluster.

Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie

Die von Sigmund Freud begründete Psychoanalyse arbeitet mit freien Einfällen, Träumen und der Übertragung, also der Wiederbelebung früherer Beziehungsmuster in der Beziehung zur Analytikerin oder zum Analytiker. Eine klassische Analyse findet hochfrequent statt, meist vier- bis fünfmal pro Woche im Liegen. Die psychoanalytische Psychotherapie beruht auf demselben Verständnis, arbeitet aber mit ein bis zwei Sitzungen pro Woche im Sitzen.

Katathym Imaginative Psychotherapie und Hypnosepsychotherapie

Beide Methoden sind tiefenpsychologisch fundiert. Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) nutzt innere Bilder: In der Imagination werden Konflikte erlebbar und Ressourcen aktiviert. Kurztherapien umfassen etwa 30 Stunden, strukturverändernde Langzeittherapien ein bis mehrere Jahre. Die Hypnosepsychotherapie nutzt therapeutische Trancezustände, in denen sich unbewusste Konflikte bearbeiten, aber auch Ressourcen und Lösungen erschließen lassen; sie greift unter anderem Konzepte von Milton Erickson auf.

Erleben, Beziehung, Sinn

Was kennzeichnet die humanistischen Verfahren?

Humanistische Verfahren betonen die Einzigartigkeit, Freiheit und Verantwortung der Person und vertrauen auf ihr Entwicklungspotenzial. Im Mittelpunkt stehen das aktuelle Erleben und die therapeutische Beziehung.

Was ist der Unterschied zwischen Existenzanalyse und Logotherapie?

Beide gehen auf den Wiener Psychiater Viktor E. Frankl zurück, gelten in Österreich aber als zwei eigenständige Methoden. Die Logotherapie ist Frankls sinnzentrierte Psychotherapie: Sie sieht den Menschen als sinnsuchendes Wesen und nutzt Techniken wie die paradoxe Intention oder die Dereflexion; die Methode „Existenzanalyse und Logotherapie“ führt diese Tradition fort. Die Existenzanalyse im engeren Sinn wurde von Alfried Längle ab den 1980er-Jahren in Wien erweitert. Sie arbeitet stärker mit dem eigenen Erleben und Fühlen und zielt auf ein Leben mit innerer Zustimmung; Sinnfragen behandelt sie als eigenes Spezialgebiet.

Personzentrierte Psychotherapie und Gestalttherapie

Die Personzentrierte Psychotherapie geht auf Carl R. Rogers zurück. Sie setzt auf eine Beziehung, die von Echtheit, Einfühlung und bedingungsfreier Wertschätzung getragen ist. Die verwandte Klientenzentrierte Psychotherapie ist auch als Gesprächspsychotherapie bekannt; seit 2016 werden beide gemeinsam ausgebildet. Bei der Gestalttherapie gibt es zwei Methoden: Die Integrative Gestalttherapie arbeitet mit dem Erleben im Hier und Jetzt und bezieht kreative Medien oder Körperarbeit ein. Die Gestalttheoretische Psychotherapie leitet sich aus der Gestaltpsychologie der Berliner Schule ab und versteht Erleben aus der Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt.

Beziehungen, Systeme, Lösungen

Systemische Therapie: Probleme im Zusammenhang sehen

Die Systemische Therapie betrachtet Probleme nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Familie, Partnerschaft und Umfeld. Die Systemische Familientherapie hat sich aus der Familien- und Paartherapie entwickelt und arbeitet ressourcen- und lösungsorientiert, etwa mit zirkulären Fragen, die Beziehungsmuster sichtbar machen. Sie ist tendenziell eine Kurzzeittherapie und findet mit Einzelnen, Paaren, Familien und Gruppen statt.

Traumatherapie

Ist EMDR eine Psychotherapie?

Zusatzqualifikation statt eigener Methode

Nein, EMDR ist in Österreich keine eigenständig anerkannte Methode und gehört nicht zu den 23 Verfahren. Die Abkürzung steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing; entwickelt wurde der Ansatz ab 1987 von Francine Shapiro. Bei der EMDR-Therapie werden belastende Erinnerungen bearbeitet, während beidseitige Reize gesetzt werden, etwa geführte Augenbewegungen. In Österreich ist EMDR eine Zusatzqualifikation, die auf einem Grundberuf wie Psychotherapie, Klinischer Psychologie oder Medizin aufbaut. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt EMDR ebenso wie traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie bei Posttraumatischer Belastungsstörung.

Traumatherapie als Arbeitsschwerpunkt

Auch Traumatherapie ist keine eigene Methode, sondern ein Arbeitsschwerpunkt, den Psychotherapeut:innen verschiedener Cluster durch Weiterbildung erwerben. Zu den am besten untersuchten Methoden der Traumatherapie zählen EMDR und traumafokussierte kognitive Verfahren. Mehr dazu unter Anlässe & Beschwerdebilder.

Orientierung

Welche Psychotherapie-Methode passt zu mir?

Das hängt vom Anliegen, von persönlichen Vorlieben und vom zeitlichen Rahmen ab; mindestens ebenso wichtig ist die Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten. Eine Metaanalyse von Flückiger und Kollegen über 295 Studien mit mehr als 30.000 Patient:innen fand einen stabilen Zusammenhang zwischen der Qualität dieser Beziehung und dem Behandlungserfolg, unabhängig vom Therapieansatz. Diese Fragen helfen bei der Orientierung:

  • Konkretes Problem, konkrete Strategien? Bei klar umrissenen Beschwerden wie Ängsten kann ein verhaltenstherapeutischer Ansatz naheliegen.
  • Wiederkehrende Muster verstehen? Psychodynamische Verfahren setzen bei der Lebensgeschichte und unbewussten Konflikten an.
  • Sinn, Werte, persönliche Entwicklung? Humanistische und existenzanalytische Ansätze greifen solche Fragen gezielt auf.
  • Beziehungen im Vordergrund? Systemische Ansätze beziehen Partnerschaft und Familie direkt ein.
  • Zeit und Frequenz? Eine klassische Psychoanalyse mit mehreren Sitzungen pro Woche ist aufwendiger als eine Kurzzeittherapie.

Ob eine Methode im Einzelfall hilft, lässt sich laut Gesundheitsministerium nur im persönlichen Gespräch klären. Das Erstgespräch ist dafür der richtige Ort; wie man einen Platz findet, erklärt Therapieplatz & Ablauf.

Kompass auf einer Karte als Symbol für Orientierung

Häufige Fragen zu den Methoden

Derzeit 23, verteilt auf vier Cluster; die Verhaltenstherapie bildet als einzelne Methode einen eigenen Cluster.

An der Berufsbezeichnung: Psychotherapeut:innen führen ihren Cluster in Klammer, etwa „Psychotherapeutin (Humanistische Therapie)“, die Methode kann nach einem Schrägstrich folgen. Auch die Berufsliste des Gesundheitsministeriums kann die erlernte Methode ausweisen.

Psychotherapeut:innen dürfen nur mit Methoden arbeiten, in denen sie nachweislich ausgebildet sind. Ein Methodenwechsel bedeutet daher meist auch einen Wechsel der Therapeutin oder des Therapeuten; Hinweise dazu unter Therapieplatz & Ablauf.

Laut Gesundheitsministerium umfasst eine Verhaltenstherapie häufig 20 bis 50 Stunden, für eine existenzanalytische Psychotherapie sind mindestens 20 bis 30 Gespräche zu rechnen. Eine klassische Psychoanalyse dauert mit vier bis fünf Sitzungen pro Woche deutlich länger.

Anerkannt ist die Neuro-Linguistische Psychotherapie als Methode des systemischen Clusters. NLP-Seminare oder Coachings außerhalb dieser Ausbildung sind dagegen keine Psychotherapie im Sinne des Gesetzes.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. In akuten Krisen: Telefonseelsorge 142 (rund um die Uhr), Rettung 144.

Quellen

  1. Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024), BGBl. I Nr. 49/2024 idgF, insb. §§ 6–8, 23, 40, RIS: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20012578
  2. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK): Patientinnen- und Patienten-Information über die psychotherapiewissenschaftlichen Ausrichtungen, Stand 6. Dezember 2024: https://www.sozialministerium.gv.at/dam/jcr:067ed3c8-aaea-4c84-84c2-a3afb9cef836/Patienteninformation_(BMGSPK),_Stand_29.04.2020.pdf
  3. Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP): Über Psychotherapie: https://www.psychotherapie.at/patientinnen/ueber-psychotherapie
  4. EMDR Institut Austria: Häufig gestellte Fragen (EMDR als Zusatzqualifikation): https://www.emdr-institut.at/haufig-gestellte-fragen
  5. World Health Organization (2013): Guidelines for the management of conditions specifically related to stress. Genf: WHO: https://www.who.int/publications/i/item/9789241505406
  6. Flückiger C, Del Re AC, Wampold BE, Horvath AO (2018): The alliance in adult psychotherapy: A meta-analytic synthesis. Psychotherapy 55(4): 316–340. https://doi.org/10.1037/pst0000172

Zuletzt geprüft am 27.09.2026