Wie viele Psychotherapeut:innen gibt es in Österreich?
Die jüngste offizielle Auswertung der Berufsliste durch die GÖG zählt mit Stand Ende 2023 genau 11.676 berufsausübende Psychotherapeut:innen. Das entspricht einer Dichte von 12,8 pro 10.000 Einwohner:innen; knapp drei Viertel sind Frauen. Der ÖBVP nennt in seinem Factsheet vom Februar 2026 bereits 13.021 staatlich anerkannte Psychotherapeut:innen. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick: 13.021 anerkannte Psychotherapeut:innen (ÖBVP, Februar 2026) rund 4.500 davon arbeiten laut ÖBVP in der Kassenversorgung rund 11.000 Personen sind in Ausbildung, davon etwa 3.000 bereits in der Fachausbildung mit Patient:innenkontakt 15 Prozent haben eine Zusatzspezialisierung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche 10.297 Klinische Psycholog:innen waren Ende 2023 laut GÖG berufsausübend eingetragen
Wo Psychotherapeut:innen arbeiten
Das Angebot konzentriert sich laut GÖG vor allem auf größere Städte und deren Umland. Rund 70 Prozent arbeiten ausschließlich in freier Praxis, Tendenz steigend. Laut ÖBVP sind etwa 4.360 Psychotherapeut:innen in Institutionen tätig, etwa in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen oder Primärversorgungszentren. Rechtlich ist Psychotherapie im Sozialversicherungsrecht der ärztlichen Hilfe gleichgestellt (§ 135 Abs. 1 Z 3 ASVG).
Wie viele Kassenplätze für Psychotherapie gibt es?
Voll kassenfinanzierte Psychotherapie wird über regionale Versorgungsvereine angeboten und ist kontingentiert. Laut ÖBVP wurden 2024 insgesamt 1.065.000 solcher Sachleistungsstunden in Anspruch genommen. Wie viele Menschen davon profitieren, hängt von der Zählweise ab: Der ÖBVP spricht einmal von über 96.000 Personen in vollfinanzierter Behandlung pro Jahr, in seinem Factsheet von rund 84.000 Patient:innen mit Kassenplatz und etwa 70.000 mit Kostenzuschuss. Insgesamt werden laut Verband jährlich über 370.000 Menschen psychotherapeutisch behandelt.
Die ÖGK hatte ihr Angebot bis Ende 2023 um 300.000 Stunden gegenüber 2018 ausgebaut. Aussagekräftiger als absolute Zahlen ist aber der Vergleich mit dem Bedarf: Die ÖGK stellt laut ÖBVP für 1,3 Prozent ihrer Versicherten voll finanzierte Psychotherapie bereit, während die GÖG 2023 ein moderates Versorgungsziel von 3,5 Prozent formulierte. Laut ÖBVP sind rund 23 Prozent der Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen.
Kinder und Jugendliche
Für junge Menschen stehen laut ÖBVP jährlich etwa 20.000 Kassenplätze zur Verfügung, weitere rund 20.000 erhalten einen Zuschuss. Gleichzeitig hat laut der vom Verband zitierten COPSY-Studie 2024 rund jede:r vierte Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren aktuell eine psychische Erkrankung. Laut Bundesjugendvertretung fehlten schon vor der Pandemie rund 70.000 kassenfinanzierte Plätze. Ergänzend läuft das Programm „Gesund aus der Krise“ für Menschen bis 21 Jahre; Details dazu stehen unter Kosten & Krankenkasse.
Wie lange ist die Wartezeit auf Psychotherapie?
Eine bundesweite, öffentlich zugängliche Statistik zur Wartezeit auf Psychotherapie mit Kassenplatz gibt es nach unserer Recherche nicht; die Versorgungsvereine vergeben ihre Plätze über eigene Clearingstellen. Belastbare Zahlen liefert nur das Programm „Gesund aus der Krise“: Laut Evaluierung des Sozialministeriums vergingen dort in der ersten Projektphase im Schnitt elf Tage bis zur ersten Behandlung. Bei der neuen klinisch-psychologischen Kassenleistung reiht die Servicestelle Anfragen nach Dringlichkeit. Zum Vergleich: In Bayern lag die mittlere Wartezeit zwischen erster psychotherapeutischer Sprechstunde und Beginn einer genehmigten Therapie 2025 laut Kassenärztlicher Vereinigung bei 108 Tagen, bei unter 18-Jährigen sogar bei 118 Tagen. Solche Zahlen fehlen für Österreich, was eine ehrliche Einschätzung der Lage erschwert.
Was tun, wenn die Wartezeit lang ist?
Für alle, die einen Therapieplatz in Österreich finden wollen, gibt es mehrere Wege: Clearingstelle kontaktieren: bei den Versorgungsvereinen des eigenen Bundeslands nach Kassenplätzen fragen und sich gegebenenfalls vormerken lassen. Wahltherapeut:in mit Zuschuss: die Behandlung beginnen und die Honorarnote bei der Kasse einreichen. Klinisch-psychologische Behandlung: seit 2026 ohne Vorfinanzierung über die Servicestelle 0800 10 02 03 oder psyhelp.at. Junge Menschen bis 21 Jahre: über „Gesund aus der Krise“ kostenlose Behandlungseinheiten erhalten. In akuten Krisen: nicht warten, sondern sofort Hilfe suchen, etwa bei der Telefonseelsorge unter 142.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet Therapieplatz & Ablauf.
Neue Angebote: klinisch-psychologische Behandlung und Ausbildung Seit Jänner 2026 ist die klinisch-psychologische Behandlung auf Kasse verfügbar: ÖGK, SVS und BVAEB stellen dafür jährlich 120.700 Einheiten bereit, für die Jahre 2026 bis 2029 laut ÖGK insgesamt 75 Millionen Euro. Sie ergänzt die Psychotherapie, ersetzt sie aber nicht. Anders als bei der Psychotherapie gibt es dafür einen bundesweit einheitlichen Vertrag; einen solchen fordert der ÖBVP auch für die psychotherapeutische Kassenversorgung, die bisher über mehrere regionale Vereine läuft. Mittelfristig soll auch die Reform der Ausbildung mehr Fachkräfte bringen: Seit dem Wintersemester 2026/27 gibt es jährlich 500 Masterstudienplätze an öffentlichen Hochschulen. Die ersten Absolvent:innen stehen nach Master und Fachausbildung allerdings erst in einigen Jahren zur Verfügung; mehr dazu im Magazin-Beitrag über das Psychotherapiegesetz 2024.
Was bedeuten die Zahlen?
Die Zahl der Psychotherapeut:innen wächst, und das Kassenangebot wurde in den letzten Jahren ausgebaut. Trotzdem erreicht die voll finanzierte Versorgung nur einen Bruchteil des geschätzten Bedarfs. Das hat auch wirtschaftliche Folgen: Ein Krankenstand wegen psychischer Erkrankung dauert laut ÖBVP im Schnitt 40 Tage und damit viermal so lange wie bei körperlichen Erkrankungen, und die Hälfte der Invaliditätspensionen geht auf psychische Erkrankungen zurück. OECD und Europäische Kommission bezifferten die Folgekosten psychischer Erkrankungen in Österreich für 2019 auf rund 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der ÖBVP fordert deshalb, die Kontingente aufzuheben, einen kostendeckenden Tarif einzuführen und eine österreichweit einheitliche Versorgung auf e-card zu schaffen. Dabei ist zu beachten, dass viele Zahlen von einer Interessenvertretung stammen; amtliche Daten wie jene der GÖG liegen meist mit Verzögerung vor. Für Betroffene heißt das vor allem: früh mehrere Wege parallel nutzen, statt nur auf einen Kassenplatz zu warten.
Häufige Fragen
Warum gibt es unterschiedliche Zahlen?
Quellen verwenden verschiedene Stichtage und Definitionen, etwa berufsausübend eingetragene oder insgesamt anerkannte Psychotherapeut:innen. Wir geben daher jeweils die Quelle und den Stand an.
Gibt es eine zentrale Warteliste?
Nein. Die Versorgungsvereine der Bundesländer vergeben Kassenplätze eigenständig über ihre Clearingstellen.
Werden die Zahlen regelmäßig aktualisiert?
Ja. Die Rubrik „Zahlen des Monats“ greift neue Daten auf, sobald GÖG, Sozialversicherung, Ministerien oder Berufsverbände sie veröffentlichen.
Ist klinisch-psychologische Behandlung dasselbe wie Psychotherapie?
Nein. Es handelt sich um zwei eigene Gesundheitsberufe mit unterschiedlicher Ausbildung; beide behandeln psychische Erkrankungen.
Weiterlesen: Therapieplatz & Ablauf · Kosten & Krankenkasse · Psychotherapie verstehen
Hinweis: Alle Angaben mit Stand September 2026. Zahlen von Interessenvertretungen sind als solche gekennzeichnet. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Quellen
Gesundheit Österreich GmbH: Psychotherapie, Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Musiktherapie. Statistik der Berufsgruppen 1991–2023: https://jasmin.goeg.at/id/eprint/4321/1/Bericht_Psychotherapie_Klinische_Psychologie_Gesundheitspsychologie_Musiktherapie;%20Statistik_der_Berufsgruppen_bf.pdf ÖBVP: Factsheet Psychische Versorgung in Österreich (26.02.2026): https://www.psychotherapie.at/sites/default/files/downloads/OEBVP-Factsheet-Versorgung-2026-02-26.pdf ÖBVP: Stellungnahme zur Psychotherapie als Heilbehandlung und Sachleistung (19.12.2025): https://www.psychotherapie.at/sites/default/files/downloads/Stellungnahme-OEBVP-LV-Psychotherapie-Heilbehandlung-Sachleistung-final-2025-12-19.pdf BMSGPK: „Gesund aus der Krise“ – Evaluierung der ersten Projektphase: https://www.sozialministerium.gv.at/Services/Aktuelles/Archiv-2024/gesund-aus-der-krise.html ZWP online: Österreichische Gesundheitskasse setzt Meilensteine (Statusbericht Psychotherapie, 20.03.2024): https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/osterreichische-gesundheitskasse-setzt-meilensteine Kassenärztliche Vereinigung Bayerns: Steigende Wartezeiten in der Psychotherapie (Presseinformation 09.06.2026): https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/Ueber-uns/Pressearbeit/Presseinformationen/2026/KVB-PI-260609-PT-Wartezeiten.pdf ÖGK: Klinisch-psychologische Behandlung: https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.897679 vienna.at/APA: Klinisch-psychologische Behandlung ab sofort kostenlos (75 Mio. Euro 2026–2029): https://www.vienna.at/klinisch-psychologische-behandlung-ab-sofort-kostenlos/9952946 BMSGPK: FAQs zum Psychotherapiegesetz 2024 (500 Masterstudienplätze): https://www.sozialministerium.gv.at/dam/jcr:ceecf62f-15c6-4942-acdf-f74814c31812/Download%20FAQ.pdf Zuletzt geprüft am 27.09.2026







